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      basel2010_0319. IPPNW-Weltkongress - Nuclear Abolition: For a Future


      26.08.2010 (IPPNW) „Die Gefahr, dass Atomwaffen in Zukunft zum Einsatz kommen, wird unterschätzt“, warnt Prof. Dr. Andreas Nidecker, Präsident des Organisationskomitees der Schweizer Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung Atomkrieges am Vortag des IPPNW-Weltkongresses, der dieses Jahr in der Schweiz stattfindet. In Basel werden bis zu 800 ÄrztInnen und Medizin­studierende aus aller Welt erwartet, die mit Experten den Stand der Abrüstungsbe­mühungen erörtern und Wege beraten, um dem Ziel einer Welt ohne Atomwaffen näher zu kommen.

      Auf der Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags (NPT) im Frühjahr in New York hatte die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey die Atomwaffen als „illegitim“ be­zeichnet. Sie gab die Schweizer Unterstützung für eine Nuklearwaffenkonvention (NWC) bekannt, ein rechtlicher Rahmen, der Artikel VI des Atomwaffensperrvertrages ergänzt. Der Artikel ver­pflichtet die Atomwaffenstaaten zur Abschaffung von Atomwaffen. „Die Schweiz ist mit der Unter­stützung der NWC neu in den großen Kreis der Staaten eingetreten, die sich für eine schnelle Umsetzung von Artikel VI des NPT einsetzen“, erklärt Nidecker. Als weiteren Schritt zur Ab­schaf­fung aller Atomwaffen sieht er die Schaffung von atom­waffen­freien Zonen. Das Schlussdokument der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag enthält die Verpflichtung zur Schaffung einer atomwaffenfreien Zone im Mittleren Osten. Im Jahr 2012 soll eine Konferenz mit allen beteiligten Nationen erste verbindliche Schritte zur Implementierung einer solchen Zone erzielen.

      Prof. Tilman Ruff, Vorsitzender der Internationalen Kampagne zur Abrüstung von Atomwaffen (ICAN = International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) ist ein vehementer Befürworter der Nuklear­waffen­konvention. ICAN wurde vor zwei Jahren als globale Bürgerbewegung initiiert, die die Forderung einer überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung und 140 Regierungen nach einer Welt ohne Atomwaffen aufnimmt. „Jede Art unterschiedslos tötender, inhumaner Waffen, die verboten wurden, sind durch einen Vertrag abgeschafft worden. Chemische und biologische Waffen, Landminen und Streumunition - warum nicht auch Atomwaffen?“, fragt der australische IPPNW-Arzt. „Unser Rezept lautet: Die Aufnahme von Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention hat höchste Priorität für die globale Gesundheit“, so Tilman Ruff.

      Dr. Claudio Knüsli, Präsident der Schweizer Sektion der IPPNW, weist zudem auf die gesund­heit­lichen Schäden durch die Radioaktivität nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki hin. Krebs­erkrankungen, aber auch Erkrankungen des Herzkreislaufsystems treten bei den Opfern seither immer noch gehäuft auf. Neue Erkenntnisse zeigen, dass die Risiken durch die Radioaktivität bisher als zu gering beurteilt wurden. Dies wird erhebliche Kon­sequenzen für die künftigen Berechnungsgrund­lagen des medizinischen Strahlenschutzes haben.

      Dass hinter dem Druck zur atomaren Aufrüstung, auch große wirtschaftliche Interessen stehen, thematisiert Steven Staples beim IPPNW-Weltkongress. Nach Ansicht des kanadischen Abrüstungsexperten hat die Weltwirtschaftskrise offen gelegt, dass die G8-Staaten bei der Bewältigung der globalen Krisen zunehmend auf die Hilfe der Schwellenländer angewiesen sind. „Die Macht der bisherigen wirtschaftlichen und militärischen Mächte verschiebt sich hin zu neuen Staaten, die Atomwaffen nicht als notwendig empfinden, um ihren internationalen Einfluss oder ihr nationales Prestige geltend zu machen“, so der Direktor des kanadischen Rideau-Institutes. Er glaubt, dass diese Veränderung Atomwaffen als Mittel der Macht delegitimieren und den wachsenden weltweiten Ruf nach Abschaffung der Atomwaffen stärken wird.

      Alex Rosen, ein junger Kinderarzt aus Düsseldorf setzt auf die Aufklärung der Menschen. 700 Kilometer ist er mit einer Gruppe von 40 jungen Medizinern aus aller Welt von Düsseldorf nach Basel zum IPPNW-Weltkongress geradelt, um für ein Europa ohne Atomwaffen zu werben. Auf ihrem Weg von Deutschland in die Schweiz haben sie Politiker getroffen, öffentlichkeitswirksame Aktionen in den Innenstädten veranstaltet und mit Passanten über die Abschaffung von Atom­waffen geredet. Die Medizinstudierenden führen mit ihrem Engagement die jahrzehntelange Arbeit der IPPNW-Gründer und  heutigen Aktivisten fort.
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